Vorstellung der ARCUS-Stiftungsinitiative durch Alexander Popp, Landesgeschäftsführer des Schwulen Netzwerks NRW e.V.:

Stiftungen sind „auf Dauer angelegt, auf „ewig“, und so braucht bereits die Gründung einer Stiftung einen langen Atem bei den Initiatoren, will gut vorbereitet sein, zumindest wenn es sich um eine neue Idee und das Konzept einer Gemeinschaftsstiftung unterschiedlicher Akteure handelt.

Auf Anregung des Vorstands des Schwulen Netzwerks NRW haben sich vor etwa 5 Jahren schwule Männer und lesbische Frauen zusammengefunden, um eine Initiative zur Gründung einer Förderstiftung für die schwule und lesbische Selbsthilfe auf den Weg zu bringen. Diese Initiative war bereits damals unter anderem der chronischen Unterfinanzierung der schwulen und lesbischen Selbstorganisation durch das Land NRW geschuldet.

Heute stehen wir bereit, diese Stiftung auch endlich zu gründen. Wir haben ein Netz aus allen bedeutsamen Organisationen der schwulen und lesbischen Selbstorganisation in NRW und darüber hinaus geknüpft, wir haben Kontakt zu anderen deutschen Stiftungen und Stiftungsinitiativen in unserem Feld aufgenommen und wir haben bereits prominente Unterstützerinnen und Unterstützer für unsere Initiative gefunden: Die Europa-Abgeordnete Lissy Gröner, den Gründer der Deutschen AIDS-Stiftung und Preisträger der Kompassnadel des Schwulen Netzwerks NRW Rainer Jarchow, die Moderatorin Bettina Böttinger, den Produzenten Hans W. Geißendörfer, unseren Botschafter Georg Roth alias „Sister George“, die Chanteuse Georgette Dee und den Schauspieler Klaus Nierhoff, der sich mit einem außerordentlichen persönlichen Engagement für unsere Initiative einsetzt.

Das organisatorische Dach der ARCUS-Stiftungsinitiative bildet der Förderverein „Schwule und Lesbische Selbsthilfe NRW e.V.“ des Schwulen Netzwerks NRW und der LAG Lesben in NRW, dessen Koordination von der Landesgeschäftsstelle des Schwulen Netzwerks NRW übernommen wird. Wir wollen die Stiftung „ARCUS-Stiftung“ nennen. ARCUS kommt aus dem Lateinischen und bedeutet dort „Bogen“ und auch „Regenbogen“. Wir wollen die schwul-lesbische Community stärker miteinander verbinden und spielen deswegen auch dezent auf den Regenbogen als Symbol der Community an.

Die Stiftung will künftig Projekte der Selbstorganisation in allen lesbischen und schwulen Lebenszusammenhängen fördern, etwa in den Bereichen Jugendarbeit, Altenarbeit, Beratungsarbeit, Selbsthilfe, Akzeptanzförderung und Anti-Gewaltarbeit, Gesundheitsförderung sowie Sport- und Kulturarbeit. Viele dieser Projekte stehen noch in den Anfängen und brauchen dringend unsere Solidarität. Nach mehr als 5 Jahren Vorarbeit und vielen intensiven Gesprächen mit allen Fraktionen im Landtag ist es uns nun gelungen, auch ein politisches Bewusstsein für unsere Initiative und die dahinter liegenden Selbsthilfeaktivitäten von Lesben und Schwulen zu schaffen. Prominent wird hier unsere Initiative unter anderem vom Generalsekretär der FDP, Christian Lindner, und durch den CDU-Familienminister Armin Laschet thematisiert.

Es ist uns gelungen, mit den Regierungsfraktionen einen Antrag auf Unterstützung unserer Initiative zu entwickeln [s. Anlage]. Es ist uns gelungen, die Regierungsfraktionen davon zu überzeugen, dass die Unterstützung unserer Stiftungsinitiative allenfalls eine Ergänzung zur bestehenden Finanzierung der Infrastruktur der beiden Landesverbände Schwules Netzwerk NRW und LAG Lesben in NRW sein kann. Es ist uns gelungen, weitere – auch finanzielle – Unterstützung durch die Landesregierung in dem Antrag von CDU und FDP für die Zukunft offen zu halten.

Nun verfolgen wir sehr aufmerksam die Debatten über unsere Stiftungsinitiative im Landtag und in den Ausschüssen. Wir könnten uns eigentlich freuen, dass das Thema – wie andere gesellschaftlich bedeutsamen Themen auch – so kontrovers diskutiert wird. Das zeugt ja auch ein bisschen von der Normalisierung des gesellschaftlichen Diskurses zu schwul-lesbischen Themen. Andererseits wünschen wir uns doch sehr, dass unsere ARCUS-Stiftungsinitiative in der aktuellen politischen Auseinandersetzung nicht geschwächt wird. Ein so sensibles Thema wie die Wiedergutmachungspolitik gegenüber den in der Vergangenheit verfolgten Lesben und Schwulen taugt aus unserer Sicht nicht zum oppositionellen Streit. Wir wünschen uns daher von allen Abgeordneten mehr Feingefühl für das politisch derzeit Mögliche und insoweit auch eine breite Unterstützung des vorliegenden Antrags der Regierungsfraktionen.

Wir freuen uns, dass das internationale Kulturfestival SOMMERBLUT sich unserem Anliegen angeschlossen hat und bereits zum zweiten Mal die DIVEN in der Kölner Philharmonie zugunsten der ARCUS-Stiftungsinitiative veranstaltet. Wir erhoffen uns von dieser hochkarätigen Veranstaltung unter anderem mehr öffentliche Aufmerksamkeit für unsere Initiative und auch Kontakte zu wohlhabenden einzelnen Lesben und Schwulen oder entsprechenden Unternehmen, die bereit sind, die Gründung der Stiftung durch ihren finanziellen Beitrag zu ermöglichen. Interessierten Personen sichern wir selbstverständlich Diskretion zu und beraten sie gerne durch Fachleute aus unseren eigenen Reihen. In einer Broschüre stellen wir unsere Initiative ausführlich vor. Auch in der Gründungsphase sind wir dringend auf Spenden angewiesen. Jeder Euro zählt.

Kontakt:
Schwule und lesbische Selbsthilfe NRW e.V.
c/o Schwules Netzwerk NRW e.V.
Alexander Popp
Lindenstraße 20| 50674 Köln
T 0221 – 254 28 47 | F 0221 – 257 28 48
kontakt@arcus-stiftung.de
Spendenkonto:
Schwule und Lesbische Selbsthilfe NRW e.V.
KTO 710 52 00
Sozialbank Köln
BLZ 370 20 500